Rezension Tapestry

Tapestry - Cover

Kaum ein Ereignis in der Brettspielwelt hat in den vergangenen Wochen mehr Nachrichten erzeugt als die Veröffentlichung von Tapestry. Jamey Stegmaier, Autor von Tapestry und Miteigentümer von Stonemaier Games, ist nicht nur ein erfolgreicher Spieleautor, sondern auch ein Meister im Marketing.

Als ich zuerst von Tapestry erfahren habe, war ich sofort an diesem Spiel interessiert. Ein Zivilizationsspiel mit Automa Solomodus und hochwertigen Komponenten stellt für mich einen Pflichtkauf dar. Als großer Fan des Computerspiels Civilization von Sid Meier bin ich schon lange auf der Suche nach einem ähnlichen Brettspiel, welches auch alleine gespielt werden kann. Mit Nations und Historia gibt es bereits zwei sehr gute Zivilisationsspiele auf dem Markt, allerdings konnten beide Spiele meine Erwartungen nicht vollständig erfüllen. Ich konnte Tapestry nun mehrfach spielen und fühle mich bereit meine erste Rezension zu schreiben.

Um was geht es?

In Tapestry führen wir unsere Zivilisation durch fünf Epochen. Neben der Eroberung von Gebieten, versuchen wir auch neue Technologien zu erforschen und unsere Hauptstadt auszubauen. All das erreichen wir, indem Fortschritte in den Bereichen Militär, Wissenschaft, Erkundung und Technologie erzielt werden.

Wie ist das Spielmaterial?

Tapestry wird in einer großen quadratischen Spielbox ausgeliefert, die sich sehr stabil anfühlt. In der Box befindet sich ein Inlay aus Kunststoff, welches Platz für die 18 bemalten und wunderschön gestalteten Gebäude bietet. Zwei zusätzliche große Fächer können die Spielkarten mit Hüllen ohne Probleme aufnehmen. Neben 48 Gebietsplättchen liegen auch noch 15 Weltraumplättchen bei, da zum Ende des Spiels sogar der Weltraum erforscht werden kann. Ein beidseitig bedruckter Spielplan mit abgerundeten Ecken, Zivilisations- und Technologiekarten, sowie drei Spielwürfel runden die Basiskomponenten ab.

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Für die bis zu fünf Spieler, liegen noch Einkommenstableaus, Einkommensgebäude, Hauptstadtpläne und Zivilisationspläne bei. Besonders bei letzteren wurde nicht gespart, da den Spielern insgesamt 16 grundverschiedene Zivilisationen zur Auswahl stehen. Besonders hervorheben möchte ich die Tableaus, Hauptstadt- und Zivilisations pläne . Diese wurden auf besonders hochwertigen und strukturierten Karton gedruckt.

Für den Solomodus wurde ein eigenes Tableau für den Automa entworfen. Der Automa an sich besteht aus etwa 25 Spielkarten und einer vierseitigen Anleitung.

Wie wird gespielt?

Die Regeln von Tapestry sind erstaunlich einfach. Während seines Spielzugs entscheidet der Spieler entweder eine neue Epoche – auch Einkommenszug genannt – einzuleiten oder auf einer der vier Fortschrittsleisten vorzurücken. Da jedes Vorrücken auf den Fortschrittsleisten ein oder mehrere Resourcen kostet und man das Spiel ohne Resourcen startet, ist der erste Spielzug immer ein Einkommenszug.

Der Einkommenszug ist die mit Abstand komplexeste Handlung im Spiel und beinhaltet folgende Schritte:

  • Die Sonderfähigkeit der eigenen Zivilisation nutzen, falls diese zur Verfügung steht
  • Eine Technologie weiterentwickeln
  • eine Zivilisationskarte ausspielen, die entweder einen sofortigen oder dauerhaften Bonus liefert – letzter gilt für die gesamte nächste Epoche
  • Siegpunkte erhalten
  • Einkommen in Form von Resourcen, Gebietsplättchen und Zivilisationskarten erhalten

Im ersten Einkommenszug wird lediglich der letzte Schritt “Einkommen erhalten” ausgeführt.

Ein normaler Spielzug ist wesentlich einfacher und schneller abzuhandeln. Hier entscheidet sich der Spieler für eine der vier Fortschrittsleisten und rückt auf dieser einen Schritt vor, vorausgesetzt er kann die Kosten dafür in Form von Resourcen bezahlen. Je nach Fortschrittsleiste kann anschließend z.B. ein neues Gebiet erobert oder eine Technologie erforscht werden. Bei manchen Feldern steht auch noch eine Bonusaktion zur Verfügung, welche nach Abgabe von Karten oder Resourcen ausgeführt werden kann.

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Wer zuerst eines der jeweils drei Meilensteinfelder auf den Fortschrittsleisten erreicht, darf das jeweilige Gebäude in seine Hauptstadt stellen. Dabei sollte versucht werden möglichst viele Zeilen und Spalten komplett mit Gebäuden zu füllen, da dies während der Einkommenszüge Siegpunkte bringt. Dieser Mechanismus erinnert sehr an Ein Fest für Odin von Uwe Rosenberg.

Wie funktioniert der Solo-Modus?

Der Solo-Modus wurde auch in diesem Stonemaier-Spiel perfekt umgesetzt. Durch dem Automa werden zwei gegnerische Spieler gesteuert, wobei nur einer davon Aktionen ausführt. Der zweite Spieler, auch Schattenspieler genannt, rückt lediglich ein Feld auf den Fortschrittsleisten vor und schnappt somit eventuell eines der begehrten Gebäude weg. Meiner Meinung nach simuliert der Automa ein zwei Personenspiel sehr gut, da sowieso die Interaktion zwischen den Spielern eher gering ist.

Fazit

Ich empfinde Tapestry als ein sehr gelungenes Eurogame. Leider entwickelt sich während des Spiels aber nicht das Gefühl, hier eine Zivilisation durch die Geschichte der Menschheit zu führen. Da leisten die Spiele Nations und Historia wesentlich bessere Arbeit. Bei Tapestry ist man lediglich darauf bedacht, möglichst viele Siegpunkte zu generieren. Neue Technologien erfinde ich nicht um meine Zivilisation auf einem bestimmten Gebiet voranzubringen, sondern oft nur um ein damit verbundenes Gebäude in der Hauptstadt errichten zu können, oder Siegpunkte zu erhalten.

Mir fehlen einfach einige grundlegende Elemente eines epischen Spieles, wie Städte gründen, Armeen aufstellen und durch gezielte Forschung einen Vorteil gegenüber den Gegnern zu erlangen. Etwas störend empfinde ich auch das schnelle Ende des Spiels. Hier hätte ich mir gerne noch die eine oder andere Spielrunde gewünscht, was aber wieder typisch für ein Eurogame ist.

Die Anleitung ist meiner Meinung nach etwas zu kurz geraten. Besonders während des Solospiels musste ich teilweise bei Boardgamegeek nach Antworten suchen. Ein paar zusätzliche Seiten wären sicherlich nicht verkehrt gewesen. Besonders mit Scythe hat der Verlag ja bewiesen, das er in der Lage ist sehr gute Anleitungen zu schreiben.

Abschließend bleibt zu sagen, dass Tapestry ein kurzweiliges Spiel ist, welches ich gerne spiele und in meiner Sammlung einen festen Platz erhält. Ein Zivilisationsspiel ist es aber nicht – leider.

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